IG Metall Saarbrücken
http://www.igmetall-saarbruecken.de/aktuelles/bildergalerien/bildergalerie/warnstreiks-im-saarland-die-ig-metall-saarbruecken-macht-druck-fuer-sechs-prozent-mehr-entgelt-und-ta/
24.09.2020, 22:09 Uhr

Tarifrunde Metall- und Elektroindustrie - Miteinander für Morgen

Warnstreiks im Saarland: Die IG Metall Saarbrücken macht Druck für sechs Prozent mehr Entgelt und tariflich geregelte Arbeitszeiten.

  • 05.01.2018
  • Aktuelles, Tarif, Aktionen, Bildergalerie

"Die Tarifverhandlungen für die Metall- und Elektroindustrie sind festgefahren. Nun heißt es", so Hans Peter Kurtz 1. Bevollmächtigter der IG Metall Saarbrücken, "Druck zu machen mit Warnstreiks draußen vor den Werkstoren, damit sich die Arbeitgeber bewegen. Es geht um mehr Geld und um Arbeitszeiten, die zum Leben passen."

Und es geht darum, wer über die Arbeitszeiten bestimmt. Läuft alles immer so, wie die Arbeitgeber wollen: immer flexibler, länger und rund um die Uhr? Oder auch mal nach den Bedürfnissen der Beschäftigten und ihrer Familien?

Tausende Metallerinnen und Metaller haben ihre Verhandlungskommissionen mit Kundgebungen unterstützt. Im neuen Jahr ruft die IG Metall flächendeckend in allen Tarifgebieten zu Warnstreiks auf. Patrick Selzer, 2. Bevollmächtigter, kündigte für die nächste Woche massive Warnstreiks im Saarland an.

Die IG Metall fordert sechs Prozent mehr Geld und einen Anspruch für Beschäftigte, ihre Arbeitszeit bis zu zwei Jahre lang auf bis zu 28 Stunden in der Woche verkürzen zu können. Dazu soll es einen Zuschuss geben, um einen Teil des Lohnverlusts auszugleichen, wenn Beschäftigte Kinder betreuen, Angehörige pflegen oder zur Erholung von belastenden Arbeitszeiten, etwa Schichtarbeit, kürzertreten.

Patrick Selzer, der Mitglied der Verhandlungskommission ist, ergänzt: „Die Arbeitgeber haben in der letzten Verhandlung lediglich zwei Prozent mehr Geld angeboten, und das nur unter der Bedingung, dass die Arbeitszeiten verlängert werden. 40 Stunden in der Woche und mehr sollen es sein, ohne Zuschläge für Überstunden bitte schön. Dass Beschäftigte ihre Arbeitszeit verkürzen können, wollen die Arbeitgeber nicht - schon gar nicht mit Zuschuss für Kinder, Pflege und Gesundheit. "Geld fürs Nichtstun" werde es mit ihnen nicht geben.“

In den Medien kündigen die Arbeitgeber die "härteste Tarifrunde der letzten Jahrzehnte" an. Viel zu teuer sei die Lohnforderung der IG Metall. Obwohl die Metall- und Elektroindustrie seit Jahren brummt und Rekordgewinne einfährt. Dass Beschäftigte selbst über ihre Arbeitszeit mitbestimmen können, geht gar nicht. Sie, die Arbeitgeber, wollen entscheiden, wann und wie lange gearbeitet wird, am besten rund um die Uhr, so, wie es der Markt verlangt.

„In den letzten Jahren sind die Arbeitszeiten immer flexibler geworden, aber immer so, wie es die Arbeitgeber wollen. Fast zwei Drittel der Beschäftigten machen Überstunden, ein Drittel arbeitet Schicht, immer mehr auch am Wochenende. Ihr Leben muss sich nach ihrer Arbeit richten“ berichtete der stellvertretende Betriebsratsvorsitzende Matthias Scherer von ZF Friedrichshafen Werk Saarbrücken.

„Die IG Metall will“, so Kurtz, „dass es auch mal andersherum läuft. Die Beschäftigten wollen Arbeitszeiten, die zu ihrem Leben passen. Das zeigt die Beschäftigtenbefragung der IG Metall. 82 Prozent würden gern ihre Arbeitszeit vorübergehend verkürzen können.“

Allerdings sagen auch 57 Prozent, dass sie zwar gern kürzer arbeiten würden, sich es aber finanziell nicht leisten können. Daher fordern die IG Metall einen Zuschuss für Beschäftigte, die dringend eine Reduzierung ihrer Arbeitszeit benötigen. "Die Sorge für Kinder, die Pflege von Familienangehörigen, der Schutz der Gesundheit im Schichtbetrieb - das sind wichtige gesellschaftliche Aufgaben", erklärt der Betriebsratsvorsitzende von Magna Exterior.

Roland Marx, Betriebsratsvorsitzender von Voit vertrat die Auffassung, dass die Arbeitgeber mit ihrem Arbeitszeitmodell von gestern selbst gut ausgebildete Beschäftigte ausgrenzen, vor allem Mütter und Väter: „Vollzeit plus Überstunden plus Flexibilität. Das ist mit dem Leben vieler Menschen nicht vereinbar. Gerade Frauen weichen auf andere Branchen aus, wo sie sich ihre Arbeitszeit flexibler einteilen können. Deshalb“, so Marx weiter, „brauchen wir die Möglichkeit, dass wir die Arbeitszeit bei Bedarf bis zu 28 Stunden im der Woche reduzieren können.“


Drucken Drucken