Beschäftigtenbefragung 2017 - Pressegespräch und Spendenübergabe

Arbeitszeiten müssen zum Leben passen

  • 09.06.2017
  • Aktuelles

Die Menschen wollen Arbeitszeiten, die zu ihrem Leben passen. Tarifverträge und Mitbestimmung haben hier Wichtiges geleistet: 69 Prozent (70,9% bundesweit) der Beschäftigten, die an der Befragung teilgenommen haben, sind mit ihrer momentanen Arbeitszeit zufrieden oder zumindest eher zufrieden. Aber auch diese Beschäftigten fordern mehr Selbstbestimmung in der Arbeitswelt von morgen.

Das ist ein Ergebnis der Beschäftigtenbefragung der IG Metall, an der sich im Bezirk Mitte 84.874, in der Geschäftsstelle Saarbrücken 5786 Beschäftigte beteiligt haben. „Wir brauchen arbeitszeitpolitisch neue Antworten für die Arbeitsgesellschaft von morgen. Dabei ist die 35-Stunden-Woche für die große Mehrzahl der Beschäftigten die Wunscharbeitszeit. Wir müssen das Mantra der Arbeitgeber: „Vollzeit plus Überstunden plus Flexibilität plus Leistungsdruck“ durchbrechen. Das sind keine Arbeitszeiten die zum Leben passen. Die Beschäftigten wollen mehr Selbst- anstatt Fremdbestimmung in der Arbeitszeit“, sagte Hans Peter Kurtz am 09.06.2017 in Saarbrücken.                                       

In der Geschäftsstelle Saarbrücken wünschen sich über 47 Prozent (bundesweit 67,9%) der an der Befragung beteiligten Beschäftigten die 35-Stunden-Woche oder kürzere Arbeitszeiten. So wollen knapp 19 Prozent (20,2%) der 5786 Beschäftigten die Vollzeitarbeit auf weniger als 35 Stunden reduzieren.

62 Prozent (82,3%) sind der Auffassung, dass es gut wäre, die Arbeitszeit zeitweise absenken zu können, etwa für die Erziehung von Kindern, die Pflege von Angehörigen oder die berufliche Weiterbildung. Dafür erwarten die Beschäftigten auch einen finanziellen Ausgleich.

„Das Votum der Beschäftigten ist eindeutig: Sie setzen auf eine Umverteilung der Arbeitszeit entlang des Lebenslaufes. Dieser arbeitszeitpolitische Aufbruch kann weder durch den Einzelnen noch durch einzelne Betriebsräte durchgesetzt werden. Dazu sind verlässliche tarifliche und gesetzliche Regelungen nötig“, betonte Hans Peter Kurtz.

Scharf kritisierte Hans Peter Kurtz, dass ein gesetzliches Rückkehrrecht von Teil- auf Vollzeitarbeit von der Union verhindert wurde. 92 Prozent (90 %) der teilnehmenden Beschäftigten hatten bei der Befragung einen solchen verbindlichen Anspruch gefordert. "Die Union hat eine große Chance verpasst, den Fachkräftemangel zu bekämpfen. Es ist bedauerlich, dass sich Kanzlerin Merkel bei diesem wichtigen Zukunftsthema dem Druck der Arbeitgeber gebeugt hat. Die Leittragenden dieser kurzsichtigen Politik sind vor allem Frauen“, sagte Hans Peter Kurtz.

Auch wenn die Arbeitszeitrealitäten unterschiedlich sind in den Betrieben und Abteilungen, es sind die gleichen Faktoren, die über die Zufriedenheit oder Unzufriedenheit bestimmen. Gefordert ist eine Arbeitszeitpolitik, die insgesamt jene Faktoren stärkt, die die Arbeitszeitzufriedenheit erhöhen und jene eingrenzt, die zur Unzufriedenheit mit der Arbeitszeit führen. Diese sind über alle Beschäftigtengruppen und Branchen im Organisationsbereich der IG Metall gleich. Wie dies konkret umgesetzt werden kann, wird  in den nächsten Monaten in den Betrieben und den Tarifkommissionen intensiv debattiert werden.

Pro abgegeben Befragungsbogen spendet die IG Metall 1 Euro für wohltätige Zwecke. Die Entscheidung der IG Metall Saarbrücken fiel zu Gunsten zwei Organisationen, die Dank ihr aufopferungsvollen Arbeit das Leben und die Gesellschaft im Saarland beser machen: Hans Peter Kurtz freute sich, den anwesenden Vertreter/-innen der AWO Saar und der Elterinitiative krebskranker Kinder im Saarland e.V. ein symbolischen Scheck von jeweils 2900.- Euro übergeben zu können.