09.09.2025 | Albrecht Herold war von 1967 bis 1993 Vorsitzender des Vorstandes der Vertreterversammlung der Arbeitskammer des Saarlandes. Danach wurde er zum Ehrenvorsitzenden des neu geschaffenen AK-Vorstandes gewählt. Bis zuletzt stand er den Gremien der Arbeitskammer immer wieder beratend zur Seite.
Bei allem, was er tat, standen die Menschen immer im Vordergrund: Albrecht Herold war über Jahrzehnte hinweg eine der prägenden Persönlichkeiten der saarländischen Politik und Gewerkschaftsbewegung. Am 2. Juli ist er im Alter von 95 Jahren verstorben. Der gebürtige St.Ingberter hat sich Zeit seines politischen Lebens mit klarem moralischem Kompass, großem Pflichtbewusstsein und aus tiefer Überzeugung für die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer im Saarland eingesetzt – als Abgeordneter des Landtages und dessen Präsident, als 1. Bevollmächtigter der IG Metall Saarbrücken und nicht zuletzt als Vorsitzender des Vorstandes der Vertreterversammlung der Arbeitskammer. Sowohl Weggefährten als auch politische Gegner respektierten Herold als überzeugten Demokraten und Streiter für soziale Gerechtigkeit. Ich persönlich erlebte Albrecht Herold als einen sehr hilfsbereiten Menschen. Er hat mir immer mit Rat und Tat zur Seite gestanden. Seine Erfahrung und sein Geschick, schwierige Situationen richtig einzuschätzen, waren phänomenal. Als Mensch und Freund war er für mich eine große Bereicherung. Der christliche Gedanke und seine Art, alle zu beteiligen, egal welcher Fraktion oder politischen Gesinnung, waren seine Markenzeichen und bezeichnend für den Menschen Albrecht Herold.
Bereits von 1960 an bis zu seinem Ausscheiden 1993 war er 1. Bevollmächtigter der IG Metall
Saarbrücken. Auch über das Saarland hinaus war Albrecht Herold von 1961 bis 1974 im Beirat der IG Metall und ab 1974 bis 1992 als ehrenamtliches Mitglied im Bundesvorstand der IG Metall tätig. Mit seinen Fähigkeiten und Netzwerken hat er unter anderem zur Rettung von Saarstahl und damit von tausenden Arbeitsplätzen in der damaligen Insolvenz beigetragen und verdiente sich durch sein untrügliches Gespür für Politik und Gerechtigkeit große Anerkennung.
Von 1967 bis 1993 war Albrecht Herold zudem Vorsitzender des Vorstandes der AK-Vertreterversammlung. Während dieser Zeit hat er intensiv die Kontakte zu den damaligen Arbeiter- und Angestelltenkammern in Österreich, Luxemburg und Bremen gepflegt und weiterentwickelt. Er hat auch hier vernetzt gedacht. Als Ehrenvorsitzender des AK-Vorstandes hat Herold bis zuletzt immer wieder an Sitzungen der AK-Gremien teilgenommen und stand ihnen beratend zur Seite.
Über ganze sechs Wahlperioden, von 1965 bis 1994, gehörte Herold dem Landtag an. Von 1975 bis 1980 war er Erster Vizepräsident des Landtags. 1980 wählte ihn das Parlament zum Präsidenten. Dieses Amt übte er bis zu seinem Ausscheiden 1994 mit großer Umsicht und persönlichem Engagement aus. In seiner Zeit als Parlamentarier setzte er sich zudem für die grenzüberschreitende Zusammenarbeit ein und war Mitbegründer des Interregionalen Parlamentarierrates (IPR). Auch diesem Gremium stand er von 1991 bis 1992 als Präsident vor.
Mit Albrecht Herold hat unser Saarland einen außergewöhnlich pflichtbewussten und aufrichtigen Menschen und Politiker verloren, der sich in besonderer Weise um die demokratische Kultur sowie die Bürgerinnen und Bürger des Landes verdient gemacht hat. Für seine herausragende Lebensleistung wurde er mehrfach geehrt: Er war Träger des Saarländischen Verdienstordens sowie des Großen Bundesverdienstkreuzes mit Stern und Schulterband sowie Ehrenbürger der Stadt St. Ingbert. Ich habe einen Freund verloren. Er wird uns fehlen.
Patrick Selzer
1. Bevollmächtigter der IG Metall Geschäftsstelle Saarbrücken